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Verzällche övve et Roisdebe Platt All die schön Usdröck sterven us

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Verzällche övve et Roisdebe Platt

Weil echte Dialekte immer nur gesprochen wurden, hat unser Alphabet für viele Dialektlaute gar keine passenden Buchstaben. Eigentlich ist auch der Begriff „Schriftsprache“ für das Hochdeutsche, das wohl ursprünglich aus einem Dialekt als sächsische Amtssprache entstanden ist, unlogisch. Denn entweder drückt man sich durch „Sprechen“ oder durch „Schreiben“ aus.

Da ich nur über unseren Dialekt, also das „Platt“ aus dem eigenem Umfeld erzählen möchte, werde ich mich auch nicht über wissenschaftlichen Grundlagen der Sprache und Mundarten (wie: Lautverschiebungen, Benrather Linie usw.) auslassen. Nur soviel: Unser Platt gehört zum „westmitteldeutschen und mittel-fränkischen“ und hat seinen Ursprung in der Sprache der fränkischen Ripuarier; einem Stamm der auch unsere Region bevölkert hat.

Wer örtliche Dialekte noch richtig beherrscht, dem fallen kleinere oder größere Unterschiede beim Platt der näheren Region auf. Deutlicher wird dies noch beim „Kölsch“ als Mundart der Städter und - weniger ausgeprägt - auch beim „Bönnsch“. Das hat sich allerdings in den letzten Jahrzehnten auch immer mehr verwischt, seitdem die Mundart nicht mehr die Bedeutung wie früher hat.

Es werden noch Ausdrücke vorkommen, die bei einigen immer noch zur Umgangssprache gehören, aber auch solche, die heute nicht mehr so üblich oder sogar fremd geworden sind. Es macht sicher Sinn, auch solche Worte festzuhalten, ohne aber daraus ein „Museum König“ für nicht mehr „lebendige Ausdrücke“ zu machen. Denn da sich lebende Sprachen fortentwickeln, ist es ganz normal, dass Begriffe verschwinden, wenn es die Gegenstände oder die Tätigkeiten, die sie beschreiben, nicht mehr gibt. Ein Problem besteht allerdings darin, dass fast gar keine neuen Dialektwortschöpfungen mehr für unsere geänderte Umwelt entstehen, solange der Dialekt auf dem Rückzug ist. Aber vielleicht gibt es auch hier noch einmal eine Trendwende.

Als noch in jedem Ort neben dem Pastor noch „de Kapelon“, also ein Kaplan, seinen Dienst tat, war dies in Alfter „de Vikarjes“ im Vikariat; ein Begriff der hier nicht geläufig war. Obwohl auch Roisdorf landwirtschaftlich geprägt war, galt das „Walberberger Platt“ als ein „wenig gewöhnlich“, weil es breiter ausgesprochen wurde und Laute enthält, die wir – auch wie das rollende „R“ der Alfterer - gar nicht korrekt nachbilden können: „Krich ens Leufel und Jaéfel us de Keés, et kütt Besuch de Jaés eraff“ (Hole Löffel und Gabel aus dem Besteck-Kasten. Es kommt Besuch die Gasse herunter).

Das „Platt“ als Sprache des täglichen Umganges hat für viele Tätigkeiten und Gegenstände oft mehr und differenziertere Ausdrücke als das Hochdeutsche. Da der Dialekt aber vom Sprechen lebt, wollen wir einfach einem Ehepaar beim Sonntagsfrühstück zuhören.

Et Trina öss „net jood jefusselt“ (Katharina ist schlecht gelaunt), weil ihr Mann, „de Schäng“, erst sehr spät vom Samstagsabendskat heimgekommen und noch verkatert ist. Et trick en Flapp un schänk: „Wenn et öm mich jeht, böss de ze kiepich, für ne Jrosche uszejevve. Nur für et Kaate un et ze Suffe“öss de kene Mark ze schad. Su wie du diss Nach hemkomme böss, moss de jo wedde jood knöll jewess senn. Möt dinge Ketsch em Kopp und dinge dreckige Klamotte häss de och bestimb en de Sod jeläge.“

Alles in allem: „et Trina wor richtich en Brass komme“ (sie war in Fahrt gekommenen).Der Johannes hat trotz seines Katers Trinas schiefen Mund (et trick en Flapp) bemerkt und auch, dass sie schimpft (schänk) und ihm vorwirft, knauserig (kiepich) zu sein, wenn es darum geht, Geld für sie auszugeben. Aber es sei ihm keine Mark zu schade, wenn es um Kartenspielen (Kaate) und Trinken (Suffe) ginge. Dann soll er stark betrunken (jood knöll) nach Hause gekommen sein mit einer Kerbe (Ketsch) am Kopf. Das Wort Ketsch bezeichnet auch noch die Kerngehäuse vom Obst. „En Appel-ketsch“ ist das Kerngehäuse des Apfels. Interessant ist in diesem Zusammenhang der auf einen Aberglauben zurückgehende Spruch: „Wer Adam un Eva ne Appel iss, däm bliev de Ketsch im Stroß steche“. Gemeint ist damit, dass demjenigen, der an Adam und Eva (24.12.) einen Apfel isst, das Kerngehäuse (die Ketsch) im Schlund (Stroß) stecken bleibe.

Aber zurück zum Schäng. Da seine Kleider schmutzig waren, habe der bestimmt wieder in der Gosse (Sod) gelegen. Da Schäng „kene Kadangs“ (keine Angst) vor seiner Frau hatte, fing er bei dem Wort „Sod“ an „ze jriemele“ (verstohlen lachen) und hörte nicht mehr weiter zu, weil ihm dabei wieder die kleine Episode vom „Palms Mattes“ einfiel. Mattes hatte eine Metzgerei Ecke Bonner Straße/ Aachener Straße. Als die meisten Autos schon den auch heute noch bekannten Blinker hatten, fuhr Mattes noch ein Modell, bei dem beim Betätigen der Richtungsanzeige ein Winker aus dem Türholm hochklappte. Als er von Bonn kommend in die Aachener Straße (damals hieß sie noch Mittelstraße) einbiegen wollte, hatte ihn ein Fahrzeug, welches noch überholen wollte, gerammt. Mattes stieg aus: „Fräulein, hann se ken Oge im Kopp?“ (haben sie keine Augen im Kopf), worauf diese antwortete „Sie hatten ja überhaupt keinen Blinker an“. Mattes war erregt und stotterte leicht: “Hun, hun, do litt e doch en de Sod“.

Dem interessierten Zuhörer wird noch auffallen, dass der Dialekt auch Begriffe „in den Mund nimmt“, die in der sogenannten Hochsprache als unfein oder sogar als unanständig gelten. Allerdings gibt es auch im Dialekt Ausdrücke, die - je nachdem in welchem Zusammenhang sie gebraucht werden - als vulgär, sehr derb aber auch als normal oder sogar als Koseform aufgenommen werden. Sowohl Sprecher als auch Zuhörer, denen Platt geläufig ist, nehmen diese feinen Unterscheide wahr.

Ich will versuchen, an Beispielen, einige Nuancen aufzuzeigen. Jemand, der nur hochdeutsch spricht, wird vielleicht dennoch bei einem Ausdruck die Nase rümpfen, der im Dialekt bereits als völlig normal empfunden wird.

Das, was unser Körper vom Essen und Trinken nicht verwerten kann und dann damit macht, wird im Hochdeutschen teilweise sehr geziert oder sogar mit lateinischen Ausdrücken aus der Medizin umschrieben.

Wenn jemandem nach dem Essen von Hülsenfrüchten die Bauchgase entfleuchen, bleibt das für die Nachbarn manchmal hör- oder sogar riechbar. Ist der Verursacher schlagfertig, wird er auf eine entsprechende Bemerkung vielleicht beschwichtigen: „Besse in der wigge Welt wie em enge Buch“ (Besser in der weiten Welt wie im engen Bauch).

Über eine Person mit „Spronzele (Sommersprossen) wird oft gesagt: „Däm hät ene Ässel (Esel) en et Jesech (Gesicht) gefuzz“. Aber einen kleinen Jungen wird man im Dialekt manchmal liebevoll als „kleene Fuzzemann“ ansprechen. Wenn einem einer mit seiner Wehleidigkeit auf den Geist geht, sagt man von dem: „Dä hät wedde ne Fuzz quer lijje“. Und wenn er darüber hinaus noch kleinlich ist heißt es: „Dä mäht us jedem Fuz ne Donneschlach“ oder auch: „Dä öss ene richtije Korintekakker“.

In manchen Orten wird ein die in der Karnevalszeit beliebtes Gebäck auch „Nonnefüzje“ genannt, die auch ein Pastor sehr schätzte. Deshalb schickte sing „Keuch“ (Köchin/Haushälterin) mit einer entsprechender Bestellung in die Bäckerei. Sie zierte sich jedoch und sagte: „Ich hätte gerne für den Herrn Pastor 300 Gramm heilige Blähungen“.

Für das, was der Körper ausscheidet, gibt es natürlich entsprechende Dialektausdrücke, auch solche, die in direkter Form als derb gelten. So beispielsweise in der Redewendung, die etwas relativieren soll: „Dröß bliev Dröß, och wenn e vom Kaise öss“. Das Wort „Dreß“ ist in vielen Redensarten geläufig, teilweise normale Umgangssprache oder sogar wieder Kosewort geworden. Wenn das „e“ beim Sprechen durch „ö“ ersetzt wird, klingt es ordinärer.

War das Essen miserabel, dann war „dat ene Dressfraß“. Wird einem etwas schlechtes gewünscht, dann soll „dä de Dreß krijje“ (einen Durchfall bekommen). Dem Geizigen wird nachgesagt: „Dä friß singe ejene Dreß“. Wenn uns etwas wenig kümmert, dann „jävve me do ne ahle Dreß dröm“ . Und wenn wir etwas leichter nehmen wollen, dann „bruche me oss övve sunne Dreß net obzeräje (aufzuregen)“.

Wer ohne Schirm im Regen unterwegs war, kommt „dreßnaß oder „secknaß“ wieder nach Hause. Bei Männern hat man diese Ausdrücke als ganz normal empfunden, bei jungen Mädchen oft weniger.

Wenn aber aus Kindern „klene Botzedresser“ jeworden sind, dann „senn de Pänz us em jrüzte Dreß erus“.
Aber zurück zu unserem „Schäng“, der auch nicht auf den Mund gefallen ist. „Wenn ich ding kodde Schnüss at hüre. De Kaffe höck Morje öss et reinste Spölwasse, do schmeck jo bal Muckefuk noch besse. Dat Jebräu öss noch jrad jot jenoch, für de Botteramm drenn ze zoppe.“

Auch „et Trina“ interpretiert diese Rede nicht als Koseworte. An dieser Stelle könnte einem aufmerksamen Zuhörer bereits aufgefallen sein, dass im Dialekt weibliche Vornamen mit einem sächlichen Fürwort (et Trina = das Trina statt die Trina) bezeichnet werden. Wer Platt als Muttersprache spricht, der weiß natürlich, dass „ne kodde Fönge“ ein entzündeter Finger ist. Der Ausdruck „kott“ hat aber noch eine Reihe anderer Bedeutungen. So hatte „Schäng“ mit der „kodde Schnüss“ „vom Trina“ natürlich deren bösartiges Maul gemeint. Wenn er später die notwendigen Friedensverhandlungen beginnt, wird er vielleicht fragen: „ Böss de me noch kott?“ statt provozierend zu sagen „Wä e kott Wiev jehierot (Weib geheiratet) hät, dä hät de Düvel (Teufel) zum Schwoge (Schwager)“.

Et Trina hat auch vernommen, dass ihr Kaffee wie Spülwasser geschmeckt haben soll. Aber „Muckefuck“, also Ersatzkaffee, ist ihr - seitdem „de schlächte Zigge vorbei senn“ - nicht mehr ins Haus gekommen. Vermutlich weiß sie aber nicht, dass der Begriff aus dem französischen kommen soll, als dort während einer Blockade kein Bohnenkaffee importiert werden konnte und deshalb „Mocca faux“, also falscher Kaffee, getrunken werden musste. Vielleicht hat den Rheinländern aber auch nur das Wortspiel gefallen. Natürlich sah sie auch, wie „der Schäng“ sein Butterbrot in die Tasse getunkt (Botteramm gezopp) hat.

Wie gesagt, um originelle Wortschöpfungen war der Rheinländer nie verlegen. So hat der „Mömmes“ als „getrockneter Nasenschleim“ in einem Radiovortrag des Bonner Professor Lützler bereits in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts einen überregionalen Bekanntheitsgrad erlangt. Bei dem geläufigen Ausdruck denkt man kaum daran, dass der Begriff sich von „einrollen, einmummeln“ ableitet. Der Begriff „Wölfje“ (von kleiner Wolf) hat übrigens die gleiche Bedeutung. Von einem Geizhals wird gesagt, dass er „ne Mömmeskäuer“ oder „ne Wölfjeskäuer“ ist (den eigenen Mömmes kaut).

Manche Personen werden nicht immer mit ihrem Familiennamen benannt. Soweit stattdessen Hausnamen gebraucht werden, ist dies meist unproblematisch. Bei anderen Bezeichnungen kommt es darauf an. Mit „Bömmel“ können der Klöppel einer Glocke, eine Schlaufe, ein baumelnder Zipfel, ein Troddel aber auch Personen bezeichnet werden. So wird ein Mitglied der Kölner Musikgruppe „Die Bläckföß“ bei der Anrede „Bömmel“ nicht beleidigt sein. Anders bei einer Familie in Roisdorf, deren Mitglieder „Bömmele“ genannt wurden. Als die jetzige Linie 18 noch Vorgebirgsbahn hieß und zu den Stoßzeiten regelmäßig überfüllt war, fuhr auch ein „Bömmel“ damit morgens zur Arbeit. Die Züge waren noch nicht elektronisch gesteuert, deshalb wurden „Stehplatzfahrgäste“ besonders zwischen Alfter und Dransdorf oft heftig durcheinander geschüttelt. Ein Fahrgast forderte deshalb von seinem Nachbarn, der immer auf ihn fiel, „Halt dich doch an däm Bömmel faß“ (gemeint war die Halteschlaufe), worauf es aus der Menge drohend kam: „Et soll mich ens ene anpacke“.

„Tronskann“ wird eine langsame, etwas müde Person genannt. Der Begriff ist vermutlich entstanden, als die Lampen noch mit dickflüssigen Tran aus einer Kanne befüllt wurden. Aber auch von einem, der seiner Sinne nicht mehr mächtig ist, weil er beispielsweise betrunken ist, sagt man: „Dä öss wedde em Tron“.

Der „Schäng“ kann von seiner „Trina“ nun wahrlich nicht behaupten, „dat et en Tronskann öss“. Nachdem inzwischen der Haussegen wieder gerade hängt, ruft der Sohn an, weil dieser zu Besuch kommen will. „Ävve die Pute bränk e doch och möt“ fragt „Schäng“. Zu seiner Frau, die daraufhin sofort in der Küche verschwindet, meint er: „Nu mach de net esu vell Brassel. Ne Bund häss doch flöck gebake. Außerdem han me jo och noch jet Zopp do. Wenn die dich ze vell öchels, siss nohe wie en Zoppjros us. Lur mich an, ich bön jo och net iggelich, weil de Könke komme“.

An der Stelle „öss ens wedde Zick für e Püsje“ (wieder Zeit für eine Pause). Hätte der „Schäng“ mit „däm Trina“ hochdeutsch gesprochen, hätte sich das so angehört: „Nun arbeite mal nicht so hektisch“ statt „Mach de net esu vell Brassel“. „Öchel dich net esu“ oder „Mach de net esunne Öchel“ hat eine ähnliches Bedeutung. Der „Bund“, der schnell (flöck) gebacken sei, wird später erklärt. Im übrigen meinte der „Schäng“ von sich, dass man ihn anschauen (lure) soll, denn er sei überhaupt nicht aufgeregt oder eilig (iggelich).
Für Kinder sind jetzt schon verschiedene Dialektausdrücke: „Könke“, „Fuzzemann“, „Dreßfot“, „Put“ (Mehrzahl „Pute“) vorgekommen. Man hätte aber auch von „Quass“, (Mehrzahl „Quös“), „Panz“ (Mehrzahl „Pänz“, „Oos“, von „enem kleene Krott“, „nem Schinoos“ und liebevoll „von enem kleene Schinösje“, oder auch weniger gutmütig von „enem freche Balg“ oder „freche Bloch“ und bei Jungen auch von „nem Fent (Mehrzahl Fente) sprechen können.

Inzwischen hat sich bei unserem Ehepaar der Besuch zum Nachmittagskaffee eingefunden. Da die Großeltern noch aus einer Generation stammen, in der – nicht wie heute üblich und sinnvoll jüngere Taupaten genommen werden – sondern noch die Großeltern „Pättche“ (Pate) und „Jött“ (Patin) wurden, haben die Enkel auch deren Vornamen bekommen. Allerdings zeigt sich auch da, wie flexibel unsere Sprache ist. Aus dem „Trina“ wurde die Katrin und dem „Schäng“ (Johannes) der Jan.

Der „Schäng“ wollte von seinem Sohn gleich wissen: „Wie wick set e dann möt ührem neue Jaade“? „Och“ meinte dieser „Ich well jo net strongze. Nodem die Kömpele affjedröch ware, hät et jod jerumb. Mir han Mahnde voll Pröll fortjerumb. Do mot me janz schön jet en de Mau han. Un watt menst de: En der höngechste Eck han me sojar noch ne ahle Fuhrsteen fonge.“

An der Stelle musste der Opa seinen Enkeln aber zuerst die bisherige Unterhaltung übersetzen. So habe er gefragt, wie weit ihr Vater denn mit seinem neuen Garten sei. Dieser habe ihm berichtet, dass er nicht prahlen (strongze) wolle. Aber nachdem die Pfützen abgetrocknet (Kömpele affjedrüch) waren, habe es gut geräumt (jod jerumb). Es seien Körbe voll mit altem Gerümpel (Mahnde voll Pröll) weggeschafft worden, wozu man ganz schön kräftig sein musste („jet en de Mau han“ = im Ärmel haben) und in der hintersten Ecke des Garten habe er sogar noch einen alten Grenzstein (Fuhrsteen) gefunden. Das Wort „Mahnd“ (Mehrzahl: Mahnde) interessierte die Kinder besonders. Deshalb musste ihnen der Opa erklären, dass es sich bei einer „Mahnd“ um einen runden oder eckigen Korb aus geflochtenen Weiden-uten handelt. Es sei meist in der Verkleinerungsform „Mängche“ als „Wäschemängche“ (Wäschekorb) oder „Obsmängche“ (Obstkorb) und noch für mit anderen Wortzusätzen für vielseitige Einssatzzwecke bekannt gewesen.

Der Sohn konnte seinem Vater noch stolz weiter berichten: „De neu jesatzte Krückele und Jannstruve senn at am usschlage. De Päéche hat at Knöpp un de Impele at kleene Blättche. Die Stockviule, die ich vörich Johr vürjetrocke hann, senn at am blöhe und och de Langemalevje han de Fross in voller Blöt övvestande. Och die Fletteplanze, die ich von dir han, senn jot anjewahse. Nur möm Öllich sitt et mau us, un et Ärbellelov öss noch ärch brong. Hoffentlich mäht me nur de Mollterp ne zevell vekiehrt.“

Nachdem der Opa wieder als Dolmetscher fungiert hatte, wussten die Enkel jetzt, dass die neugepflanzten Stachelbeeren (Krükele) und Johannisbeeren (Jansdruve) schon austreiben (usschlage), die Pfirsiche (Päéche) schon knospen (Knöpp han) und sich bei den Himbeeren (Impele) schon kleine Blättchen zeigen, der im Vorjahr vorgezogene Goldlack (Stockviule) schon blühe und auch die Stiefmütterchen (Langemalevje) in voller Blüte den Frost überstanden haben. Auch Opas Nelkenpflanzen (Fletteplanze) seien angewachsen. Nur mit den Zwiebeln sehe es schlecht (mau) aus, und das Erdbeerlaub (Ärbellelov) sei noch arg braun (ärch brong). Ihr Vater hoffe nur, dass ihm der Maulwurf (Mollterp) nicht zuviel verkehrt mache.

Die Kinder wunderten sich, welche ganz unterschiedlichen Bedeutung das Wort „Mau“ hat. Deshalb versprach der Opa, Ihnen nach dem Kaffee noch mehr über das „Platt“ zu erzählen. Inzwischen hatte „et Trina“ den Kaffee fertig. Es gab dazu leckeren „Bund“ und „Zopp“. Jan und Katrin erfuhren dann, dass ein „Bund“ der runde Kuchen vor ihnen sein. Dieser bestehe heute aus einem feinen Teig mit Rosinen und Zitronat. Den Namen habe er von der besonderen Kuchenform, die wie Kranz mit geschwungenen Rippen (Türkenbund) aussehe. Bei dem „Zopp“ handelt es sich um ein Hefeteiggebäck, welches wie ein Zopf geflochten wird.

Die Kinder lachten, als sie hörten, dass ihr Opa heute Nachmittag ihre Oma schon „Zoppjros“, genannt hatte und, dass man dies auch zu einem Mädchen sage, wenn es unordentlich frisiert oder angezogen ist. Man hört manchmal auch noch: „Du böss de reinste Zoppjros“, wenn Kinder ihr Butterbrot oder den Kuchen in die Tasse „zoppen“ (tunken). Die Herkunft der Begriffe erklärte er so: Früher gingen die älteren Frauen nicht zum Frisör. Sie flochten vielmehr ihre Haare zu einem Zopf, der dann meistens noch zu einem „Knutz“ oder „Knützje“ (Knoten) zusammengesteckt wurde. Da auch die „dritten Zähne“ noch unbekannt waren und deshalb das Kauen von fester Nahrung oft schwerfiel, wurde diese „gezopp“.

Zum dem lustigen Wort „Langemalevje“ musste erklärt werden, dass in anderen Gegenden, so auch in Köln, die Gänseblümchen (auch als Maßliebchen bekannt) so genannt werden. Warum hier die Stiefmütterchen diesen Namen bekommen hatten, wusste keiner.

Der Opa löste noch sein Versprechen ein und erzählte, dass früher noch viele Dialektausdrücke aus der Zeit der französischen Besatzung modern waren. Der Bahnsteig hieß „Perron“, die Bahnschranken waren „de Bajere“ der Schirm „ne Paraplü“, und zum Bürgersteig sage er auch heute noch „Trottewar“. Das Wort „Paleto“ für Mantel sei aber nicht mehr so geläufig.

Man schmunzelte, als er erzählte, wie ein Bonner Karnevalist wegen der Zweiteilung durch die Bahn seine Vaterstadt so beschrieben habe: „Entwede et rähnt (es regnet) ode mir senn möd (sind müde) oder de Bajere senn zo“.

Ein Krätzjen (lustige, kurze Geschichte, früher aber auch Stoffkopfbedeckung von Soldaten), das Professor Lützler in dem Vortrag zur „Philosophie des Kölner Humors“ zum Besten gab, benutzt auch noch solche Dialektausdrücke französischer Herkunft. Und da die Enkel gerade mit der Oma den Kaffeetisch abräumten, zitierte er: „Tünnes und Schäl waren auf dem Heimweg, als das reichlich genossene Kölsch sie veranlasste, das nächste „Pissewar“ (heute WC) aufzusuchen, das damals für Männer oft aus einer Wellblechwand mit einer Abflussrinne davor bestand. Der Schäl frug: Tünn, ich kann dat net verstonn. Bei mir öss dat esu laut un bei dir hürt me jarnix. Darauf der Tünnes: „Schäl dat öss doch einfach. Du pinkels jenn et Wellblech un ich jän dinge Paleto“.
Da die Kinder den Namen „Tünnes“ noch aufgeschnappt hatten, erklärte Ihnen der Großvater, dass die Vornamen im Dialekt oft umgeformt werden. Für den Namen „Tünn, Tünnes oder Toni“ gebe es sogar zwei Schutzheilige. Diejenigen, die im Januar Namenstag feiern, berufen sich auf „Ferkes Tünn“. Das war Antonius der Einsiedler, welcher mit einem Schwein (Ferkel) dargestellt wird und Schutzpa-tron der Bauern und Schweinehirten war. Der zweite Heilige mit dem gleichen Namen war Antonius von Padua. Sein Namenstag wird im Juni gefeiert. Zu ihm betet man, wenn etwas gesucht wird.

Die Kinder fanden auch lustig, dass es früher in Endenich einen Pastor gab, der regelmäßig in Platt predigte, wie sie es nur von der Mundartmesse vor Karneval kennen. An Christi Himmelfahrt habe er seine Predigt so begonnen: „Osse Herjott öss in der Himmel opjefahre, ävve net we en Mäusch, sondern wie e Levvelingche“. (Unser Hergott ist in den Himmel aufgefahren, aber nicht wie ein Spatz (Mäusch) sondern wie eine Lerche (Levvelingche).

Sie erfuhren, dass man im Dialekt für „weinen“ auch „kriche, knatsche, gringe und grauze“ sagt. Wenn etwas besonders weich ist, so ist das „mangs“, z.B.: „mangs Ledde“ (weiches Leder), mangse Plätzje (weiche Plätzchen). Wenn es aber in einem Haus unordentlich, dann sagt man auch: „Do öss jet mangs“.
zugeht, dann sagt man auch: „Do öss jet mangs“.

Soll jemand schnell machen, dann muß er „flöck senn“ oder „jäng mache“; Entschuldigend heißt es manchmal: „Dat öss flöck gesäht, ävve net flöck jedonn“. (Das ist schnell gesagt, aber nicht schnell getan).

Für das Wort „höésch“ , was sinngemäß „still, vorsichtig, leise“ bedeute, gebe es kein hochdeutsches Wort mit genau der gleichen Bedeutung. Wenn ihr nachher „mallig“ einen Euro von mir bekommt, dann heißt das, jeder einzelne (mallig) bekommt etwas. „Dat moss ävve net lutte“, also „nicht immer (lutte) so sein“ Ein oft gebrauchtes Wort ist „ävve“, was soviel wie „aber“ heißt. Dagegen bedeutet „eve“ aber auch soviel wie „lutte“, also „immer", auch im Gegensatz zu „döck" "häufig".

Wenn Kinder fallen, dann „dirvelle se“ oder „se han de Dirvel geschlage“, manchmal auch „höngerücks“ (hinterrücks, rückwärts). Das ist wieder so ein Wort mit mehrfacher Bedeutung, weil auch „höngeröcks“ (hinten herum) über einen etwas erzählt wird. Ein seltener gebrauchter Ausdruck mit gleicher Bedeutung ist „höngewönks“.

Früher sprach man von seiner Wohnung oder seinem Haus auch „vom Jehösch“; die kleinen Zimmer darin waren „de Stüvvje“ oder noch kleiner „e Kabüffje“.

Als es noch keinen„Mac Donalds“ und auch keinen Pizzadienst gab, wurde das vorgekochte Essen in einem „Mitche“ (Behälter aus Aluminium oder emaillierten Metall) mit zur Arbeit genommen.
Milch wurde nur lose verkauft und musste deshalb in einer „Tööt“ (Kanne) geholt werden, die man zu Hause im „Schaaf“ (Schrank) aufbewahrte. In einer Redewendung heißt es „De öss de Tööt am schure“ (die Kanne scheuern), wenn einer nichts tat oder Langeweile hatte.

Gekocht wurde in der Küche „om Komfürche“, einen Herd, der mit Holz und Briketts beheizt wurde. Deshalb war es dort meist „mollig wärm“ (angenehm warm). Und da es in den meisten Häusern, wenn überhaupt, nur einen Wasserhahn in der Küche gab, stand im Schlafzimmer neben der „Kau“ (Bett) auf der Kommode „en Wäschlampett“. Das war ein Krug mit Wasser und einer Schüssel, in der man sich morgens wusch. Wenn wegen schlechten Wetters die Wäsche nicht draußen aufgehängt werden konnte, kam sie „op de Löv“ (auf den Speicher) zum Trocknen. Dazu musste man natürlich eine Treppe hoch, dessen Geländer „Tralleje“ also Sprossen hatte.

Nachdem der Besuch weg war, verschwand der „Schäng“ in der Küche mit den Worten: „Jetz han ich noch Honge ob jet Deftiges. Ich mache me noch e Röggelche möt Flöns“. Womit er kund tat, dass er Hunger auf etwas Deftiges habe und noch ein Roggenbrötchen mit Blutwurst essen werde.

Anmerkung zum Schluss:

Mit großem Genuss lese immer wieder in dem dreibändigen Buch von Prof. Dr. Adam Wrede „Neuer Kölnischer Wortschatz“. Das umfangreiche Werk ist nicht ganz billig, bringt aber dafür nicht nur die Übersetzungen und Herkunftsbezeichnung der Worte, sondern in diesem Zusammenhang auch viele kurze Abhandlungen über Kölner Straßen, Gebäude, Kirchen, Vereine und Namen. Man findet auch viele bekannte oder weniger geläufige Redewendungen. Bei intensiverem Studium fallen aber auch die deutlichen Unterschiede zwischen unserem Platt und dem Kölner Dialekt auf. So gibt es Worte, die jeweils nur in einer Region bekannt oder gebräuchlich sind. Aber auch abweichende Aussprachen und andere Vokale (z. B. fleute statt flöte, bovven statt ovve“ (= oben), Trone statt Träne) führen dazu, dass man nicht immer fündig wird oder unter anderen Buchstaben suchen muß.

Text: Heinz Dahlen